Ayurveda-Tipps | Rezept

Was sind eigentlich Rasayanas?

Juli 26, 2017
ewig jung mit Ayurveda

Wer wünscht sich das nicht?

Ewig jung sein – der Traum der Menschheit. Schon immer gab es Geschichten, Märchen und neuerdings auch Werbespots, die genau das versprechen: einen Jungbrunnen. Das soll ein Ort, eine Praxis (Yoga?) oder eine Pille sein, die einen nie altern lässt. Manch einer mag jetzt sagen: „Ich stehe zu meinem Alter!“ Ich finde meine grauen Haare sexy. Schön und gut, aber eines mag keiner wirklich: Schmerzen…

alte faltige Hand
Die Haut zeigt oft deutlich die Spuren des Alters. Es gibt Rasayanas die straffe Haut versprechen.

Was ist Altern?

Bisher galt altern für mich als äußere Erscheinung. Die Haare werden grau und fallen aus. Die Haut wird faltig und bekommt dunkle Flecken… Mit dem Alterungsprozess ist aber auch das sogenannte Imflamm Aging verbunden. Das ist das Phänomen “ so ist das halt, wenn man alt ist!„. Wenn man ältere Menschen nach Ihrer Gesundheit befragt, bekommt man meist nämlich genau diese Antwort. Mit dem Alter steigt die Häufigkeit von chronischen Krankheiten wie: Arthritis, Alzheimer, Arteriosklerose, Osteoporose und Diabetes Mellitus. Aber auch Verschleißerscheinungen der Organe (vor allem des Herzen), Konzentrationsschwäche oder Vergesslichkeit sind „Begleiterscheinungen des Alterns“.

Keiner kann mir ernsthaft versichern, dass er das toll findet und dazu steht… Alt werden ist ziemlich doof.

Warum altert unser Körper?

Das hängt laut Claudio Franceshi (Universität Bologna), der den Begriff inflammaging prägte, mit der Rückbildung des Thymus ab der Geschlechtsreife zusammen. Die Rückbildung dauert dann bis zum 40. oder 50. Lebensjahr. Danach können keine T-Lymphozyten mehr reifen…. (B. Giunta, F. Fernandez, W. V. Nikolic, D. Obregon, E. Rrapo, T. Town, J. Tan: Inflammaging as a prodrome to Alzheimer’s disease. In: Journal of neuroinflammation. Band 5, 2008, S. 51, doi:10.1186/1742-2094-5-51, PMID 19014446, PMC 2615427 (freier Volltext) (Review) und C. Franceschi u. a.: Inflamm-aging. An evolutionary perspective on immunosenescence. In: Ann N Y Acad Sci 908, 2000, S. 244–254. PMID 10911963 (Review)).

Ich versuche es einfach – als Laie zu erklären

Die Rückbildung des Thymus und die (bei abgeschlossener Rückbildung in einem bestimmten Alter) Einstellung der Reifung bestimmter Abwehrzellen hat eine Kettenreaktion im Körper zur Folge. Weitere Hormone und Abwehrstoffe werden nun nicht mehr in dem Ausmaß hergestellt, wie sie in jungen Jahren hergestellt wurden. Und außerdem werden nun auch noch vermehrt proinflammatorische Zytokinen ausgeschüttet. Also jene Stoffe, die chronische Entzündungen so richtig toll finden und Entzündungsherde regelrecht „befeuern“. Gleichzeit lässt die adaptive Immunabwehr nach. Die „Immunpolizei“ in unserem Körper erkennt nicht mehr so schnell, wenn sich Erreger verändern und speichert bereits durchgemachte Krankheiten auch nicht mehr richtig ab – weshalb beispielsweise auch Impfungen im Alter weniger wirksam sind.

(Ich bin keine Medizinerin und meine Recherche hier hat nichts mit ärztlichem Rat zu tun – bitte bei Beschwerden immer einen Arzt aufsuchen und deshalb geht die weitere Erläuterung hier und heute zu weit.)

Wo setzt nun Ayurveda an?

Im Ayurveda wird das Altern als „natürliche Krankheit“ verstanden (Heilkräfte der Natur, von Dr. med Udupa, Dr. med Tripathi, Schwitter-Holding 1980).

Wie können Nahrungsmittel helfen, diese „Sintflut an Selbstzerstörungsprogrammen“ zu verhindern? Selbstredend ist es nicht mit einer einfachen Pille getan – die möglichst SOFORT wirkt. Fast schon logisch, dass „das Gedächtnis“ der Immunabwehrzellen und der Botenstoffe erst langsam und kontinuierlich „neu gepolt“ werden muss. Am Besten frühestmöglich gegenzusteuern – nach obiger Beschreibung bevor die T-Lymphozyten nicht mehr reifen können – sprich: vor dem 40. Lebensjahr.

Viele Menschen, die es sich leisten können, begeben sich bereits in die Hände von sehr erfahrenen großen Ayurveda-Medizinern, die ihnen den Weg durch den „Dschungel“ der vielen Mittelchen, Kräuter und Beeren weißen… Es ist nämlich gar nicht wenig, was man bisher in spezialisierten online-shops finden kann zum Thema Rasayana.

Was sind Rasayanas?

Rasayanas werden als Mittel der Verjüngung beschrieben. Sie haben außerdem die Eigenschaft, dass sie ausgleichend auf ALLE Doshas wirken.(Hier habe ich schon einmal eine kleine Einführung in die Doshas des Ayurveda gegeben). Das heißt, dass in diesem Fall nicht drauf geachtet werden muss, ob man nun ein Vata-, ein Pitta- oder ein Kapha-Typ ist. Die Rasyanas bringen Störungen in allen drei Doshas wieder ins Gleichgewicht.

Diese Rasayanas habe ich bei meiner Recherche „entdeckt“:

Googelt man Rasayanas wird man relativ schnell fündig bei Online-Versand-Handeln. Es gibt Pulver, Pasten und Pillen mit unterschiedlichen Inhalten. Es werden, nach strengem ayurvedischen Rezept (seltene) Kräuter zu Kombinationspreparaten zusammen gemixt. So z.B. eines der bekanntesten Rasayanas „Trikatu„. Wie der Name schon sagt, finden sich hier drei Inhaltsstoffe die in Pulverform zum würzen von Getränken und Speisen vorgeschlagen werden: schwarzer Pfeffer, langer Pfeffer (Pippali) und Ingwer. Wie alle Rasayanas regt Trikatu das Verdauungsfeuer (Agni) an – sollte also vor oder zu den Mahlzeiten genommen werden. Das besondere an allen drei „Gewürzen“ ist, dass sie Dosha-ausgleichend wirken. Sie helfen Ungleichgewichte in allen drei Bioenergie-Gruppen des Ayurveda ins Gleichgewicht zu bringen. Ja, sogar Pitta. Denn eigentlich heißt es, dass bei Pitta-Überschuss auf scharf verzichtet werden sollte. Das „Verrückte“ an beiden Pfeffer-Arten und dem Ingwer: sie werden durch die Verdauung im Körper in süß umgewandelt. Der Spruch „das brennt zweimal“ (wie bei Chilis) kann hier nicht gelten. Ihr versteht was ich meine, oder?!

Ein weiteres Kombinations-Gewürz-Pulver ist Triphala. Es besteht aus (auf eine besondere Art und Weise) getrockneten Früchten, die gemahlen werden. Es handelt sich dabei um die (berühmte) Amla-Frucht (grüne Stachelbeere), Haritaki und Früchten des Baherabaumes.

Rasayanas des Ayruveda
Triphala, Pipalli, Kurkuma, Ingwer und Kardamom – alles Rasayanas

Beide Gewürzmischungen können entweder mit warmer Milch oder heißem Wasser getrunken werden oder einfach dem Essen beigemischt werden – regelmäßig.

Chyavanprash ist ein Mus aus der, oben genannten, Amla-Beere. Die Stachelbeere wird achtsam (ayurvedisch) mit allerlei weiteren Gewürzen und und Ghee gekocht und hergestellt. Das Mus schmeckt säuerlicher als Marmelade, sieht aber genau so aus. Es wird empfohlen davon täglich ein bis zwei Teelöffel davon zu lutschen. Da Amla auch verdauungsanregend wirkt, sollte es am besten vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Chyavanprash
Mus aus der Amla-Beere: sehr vitaminreich, süß-säuerlich

Weitere Rasyanas sind Tulsi (indischer Basilikum, den gibt es mittlerweile sogar in unseren heimischen Gärtnereien – am besten Bio), Ingwer, Myrrhe, schwarzer Pfeffer, langer Pfeffer, Kurkuma, Kardamom und Winterkirsche.

Laut einer amerikanischen Studie sollt Tulsi bereits erfolgreichen Einsatz gefunden haben bei der Linderung von Zucker-Krankheiten, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Wundheilung, Unfruchtbarkeit, Entzündungsaltern, Krebs, und und und.

Wie auch der Amla wird der Myrrhe eine erhöhte Radikalfängeraktivität nachgesagt. Myrrhe soll außerdem eine besondere blutstillende Wirkung, (Darm-)Krampflösend und Schleimhautdesinfizierend sein (A. J. Fatani u. a.: Myrrh attenuates oxidative and inflammatory processes in acetic acid-induced ulcerative colitis. In: Experimental and therapeutic medicine. 12, 2016, 730-738, doi:10.3892/etm.2016.3398.).

Das leckere gelbe Kurkuma-Gewürz ist ebenso ein wahres Wunder der „Gesundheit aus der Erde“. Ein Teelöffel Honig mit einer Messerspitze Ingwer und einer Messerspitze Kurkuma, soll das beste Heilmittel bei aufkeimenden Erkältungen sein. Ihm wird tatsächlich in medizinischen Studien eine antibakterielle Wirkung bestätigt (A. J. Fatani u. a.: Myrrh attenuates oxidative and inflammatory processes in acetic acid-induced ulcerative colitis. In: Experimental and therapeutic medicine. 12, 2016, 730-738, doi:10.3892/etm.2016.3398.). Aber auch dieses Mittelchen aus dem Gewürzschrank wurde bereits als krebshemmend medizinisch nachgewiesen (Cruz-Corres et al.: Combination treatment with curcumin and quercetin of adenomas in familial adenomatous polyposis, In: Clin Gastroenterol Hepatol. Bd. 4, Nr. 8, 2006, S. 1035–1038. PMID 16757216; Hadi et al.: Putative mechanism for anticancer and apoptosis-inducing properties of plant-derived polyphenolic compounds, In: IUBMB Life. Volume 50, Issue 3, 2000, S. 167–171 PMID 11142343; Surh: Molecular mechanisms of chemopreventive effects of selected dietary and medicinal phenolic substances. In: Mutat Res. Bd. 428, Nr. 1–2, 1999, S. 305–327. PMID 10518003; Surh et al.: Molecular mechanisms underlying chemopreventive activities of anti-inflammatory phytochemicals: down-regulation of COX-2 and iNOS through suppression of NF-kappa B activation, Mutat. Res., 2001, 480–481: S. 243–268. PMID 11506818; Kawamori et al.: Chemopreventive effect of curcumin, a naturally occurring anti-inflammatory agent, during the promotion/progression stages of colon cancer, In: Cancer Res., Volume 59, Issue 3, 1999, S. 597–601. PMID 9973206; Aggarawal et al.: Anticancer potential of curcumin: preclinical and clinical studies. In: Anticancer Res., Volume 23 (1A), 2003, S. 363–398. PMID 12680238). Oder soll gar den Knochenabbau verringern (Kim et al.: Curcumin protects against ovariectomy-induced bone loss and decreases osteoclastogenesis, In: J. Cell. Biochem., 2011, PMID 21732406 ).

Rasayana Kurkuma
Schon ausprobiert? Ein Teelöffel Honig mit Kurkuma und Ingwer soll bei Erkältungen super helfen.

Anwendung im Alltag

Es gibt eine Menge Rezepte, die oben genannten Rasayanas in den Speiseplan zu integrieren: von Energy-Balls, über Gewürz-Milch über Tee-Spezialitäten. Um möglichst gesund zu essen und die Rasayanas voll zum Einsatz zu bringen, empfiehlt es sich die obigen Gewürze in möglichst vielen Speisen zu verwenden. Würz‘ viel mit Pfeffer, Ingwer, Curcuma und Kardamom. Finde einfach heraus, was Du in welchem Umfang magst. Nur eine kleine Prise Kardamom im Kaffee macht ihn beispielsweise besser verdaulich. Oder jegliches Gemüse bekommt einen ganz besonders leckeren Geschmack mit dem feinen gelben Kurcuma. Außerdem gibt es mittlerweile Kochbücher und Workshops, oder aber Rezepte im Internet. Wenn Du Lust hast einmal das ein oder andere Rasayana in ein leckeres Gericht zu integrieren, dann schau in den nächsten Tagen auf jeden Fall auf meinem Blog vorbei. Ich will euch ein par einfache Rezepte „für ein langes gesundes Leben“ verraten. Und ein Sommer-Special gibt es für alle Newsletter-Abonnenten: ein Rezept für ein sommerliches Ayurveda-Gericht…

Bleib‘ gesund

Ich wünsche Dir eine gesunde Woche und denk‘ an die kleinen Gewürz-Tipps oben, wenn Du die nächste Garten-Party am Wochenende schmeißt! Ich hoffe, dass ich euch mit meiner Blog-Serie zu den Rasayanas mehr für das Thema sensibilisiere und Lust mache, auch mal gesund, gegen den Prozess des Alterns anzugehen. Demnächst gibt es hier leckere Rezepte rund um die Rasayanas.

Love and Namasté

Deine Lotte

Lotte's Küche
Lecker und gesund: Chyavanprash stärkt die Immunabwehr und fördert einen gesunden Körpergewebeaufbau (Knochen, Knorpel, Muskeln, Nerven,…)

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Weiterführende Links:

Wikipedia-Artikel zu Inflamm Aging

Wikipedia-Artikel zur Amla-Beere

Wikipedia-Artikel zur Myrrhe

Wikipedia-Artikel zu Kurkuma

Wikipedia-Artikel zu Tulsi

Medizinische Studie zur Wirkung von Tulsi (US National Library of Medicine)

 

 

    1. Das freut mich, liebe Traudi! Ich lese mal nach, was Du da am besten essen könntest… Bin ja kein Arzt. Gebe nur Tipps am Rande 🙂
      Liebe Grüße, Deine Lotte

  1. Hallo Lotte,
    (ich hoffe, es ist Ok, wenn ich einfach „Du“ sage??)
    Kochst Du für Deine Kinder extra oder essen sie die Ayuverischen Gerichte mit?
    Ich behandle meinen Morbus Crohn durch ayuverdische Najrung – wenn man das so nennen kann- koche aber extra für die Kinder.
    Wie denkst du darüber?

    1. Liebe Nadine,
      im Yoga duzen wir uns! Das ist voll richtig 🙂
      Ich versuche meinen drei kleinen Jungs meist eine weniger scharfe Variante anzubieten. Es ist ganz schön schwierig, die verwöhnten Gaumen meiner Jungs in Richtung Ayurveda zu gewöhnen. Ich „arbeite“ aber daran. Nach wie vor lieben meine Jungs so ayurvedisch „schlechte“ Lebensmittel wie Wurst, Fleisch, Eis und natürlich alles mit Zucker…
      Das kann ich schlecht unterbinden – denn sie haben mittlerweile einen sehr starken eigenen Willen. Ich versuche (mit meinem Mann) gesundes Essen vorzuleben. Und hoffe, dass irgendwann das Interesse wächst 😉
      Ich finde es bewundernswert, chronische Krankheiten mit einer Diät zu regulieren… Meine Schwester hat Zöliakie und auch meine Cousine leidet unter Morbus Crohn. Ein ganz schön hartes Los hast Du da, liebe Nadine! Aber ich glaube fest daran, dass Ayurveda dabei NUR hilfreich sein kann!
      Wünsche Dir weiterhin alles Gute und Gesundheit – für die ganze Familie!
      Deine Lotte

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