Lotte privat | Wusstest Du...

Der Yogalehrer, der kein Yoga macht

November 25, 2017
Yogalehrer-kein-Yoga-Sportschule

Das zweite Wochenende meiner Yoga-Ausbildung liegt hinter mir. Und ich stelle tatsächlich fest, dass ich immer länger brauche, um wieder zu Hause anzukommen. Vieles ist liegen geblieben und vor allem die drei Kinder, brauchen ganz viel extra Liebe von mir… Es war sehr spannend und, wie es eine meiner „Mitschülerinnen“ nach dem Wochenende so treffend formulierte, „jetzt habe ich einen Gehirnknoten„… Wir haben unheimlich viel gelernt und es sind stetig „die Kronleuchter“ angegangen, dank der vielen erhellenden Momente. An einem dieser besonderen Momente möchte ich euch teilhaben lassen: In den letzten 15 Minuten unseres 3-Tage-Seminars, entfachte die Diskussion darüber, warum man als Yogalehrer kein Yoga macht mit seinen Schülern.

Yogalehrer-kein-Yoga-Bhajan
Sinnreiches Zitat des Yogis und Begründer des Kundalini-Yogas: Yogi Bhajan. Der Yoga in den Westen brachte.

Gehe ins Asana – und versenke Dich darin

Die Asanas leben. Schon gewusst? Also wenn Du im Held stehst, dann „bist Du auch ein Held„. Dein Denken und Dein Atmen – Dein ganzes Sein ist bestimmt vom Held, der ein Ziel fixiert und standhaft bleibt. Während Du den Held übst, kannst/ sollst Du nicht auf andere schauen. Auch nicht auf Deine Schüler. In meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass der Yogalehrer am besten mündlich in die Asanas führt, bevor er sie einmal schrittweise vorgemacht hat. Auch längere Flows bieten sich dazu an, sie (je nach Gruppe) einmal komplett vorzumachen. (Aber das ist dann mehr ein Turnen – als Yoga.)

Yogalehrer-kein-Yoga-Yoga-at-the-beach
Bin ich ein friedlicher Krieger, oder eine Girlande, oder ein Berg,…? Entscheidend ist auch die innere Haltung als Yogalehrer.

Der Weise R. Sriram – der eine sehr lesenswerte Übersetzung des Yoga-Sutra von Patanjali verfasst hat – schrieb in dieser Übersetzung über Yoga und den Ausgangspunkt von Yoga:

„Yoga ist die Erkenntnis, die entsteht, wenn unsere geistigen Aktivitäten still und ausgeglichen sind.“ (Patanjalis Yoga-Sutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung, von R. Sriram, Theseus-Verlag, 2015: Position 253).

Als Yogalehrer selbst Yoga „MITZUMACHEN“, führt schließlich dazu, dass Du Dein „Lehrer-Dasein“ gar nicht ausführen kannst. Denn Deine „geistigen Aktivtäten sollten ja still stehen“ (nach ebed.). In Deiner eigenen Yoga-Praxis bist Du in einem Zustand, in dem Du Deine Schüler nicht beobachten und/oder korrigieren kannst. Das könnte, je nach Gruppe, auch gefährlich werden.

Yogalehrer-kein-yoga_Praxis
…also, das mit der eigenen Yoga-Praxis war eigentlich anders gemeint 😀

Ein Yogalehrer MACHT kein Yoga

Warum macht ein Yoga-Lehrer kein Yoga?

Es ist genau das, was Yoga auch für mich persönlich ausmacht. Denn Yoga ist kein Sport! Yoga ist eine Lebenseinstellung. Und deshalb „macht“ ein Yogalehrer kein Yoga – er „praktiziert“ Yoga.

Eine Erkenntnis aus dem Yogasutra, oder beispielsweise auch dem tollen Buch von Percy Shakti Johannsen „Yoga Unlimited: Feiere Dein Leben immer und überall“ ist:

OIS IS YOGA (Bayrisch)

oder auf deutsch: Alles ist Yoga.

„Jede Aktivität kann als Übung des Yoga angesehen werden, die mit den folgenden drei Qualitäten ausgeführt wird: Leidenschaft (Tapas), Vernunft (Svádhyáya) und Hingabe (Ísvarapranidhána).“ (Patanjalis Yoga-Sutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung, von R. Sriram, Theseus-Verlag, 2015: Pos.: 1174).

Als Yoga-Lehrer tragen wir in uns nicht nur den Wunsch die Welt dadurch besser machen, dass unsere Schüler weniger Rückenschmerzen haben. Wir wollen, dass die Welt nachhaltig besser wird. Zum Beispiel eine Yoga-Schülerin, die erkennt, dass sie durch Yoga und damit verbundene Meditation besser schlafen kann und dieses Wissen auch an ihre Kinder weiter gibt, die dadurch wiederum einen ganz anderen Zugang zu Gesundheit und Selbstverantwortung ihrem eigenen Körper gegenüber erlangen.

Hilfe! Mein Yogalehrer macht kein Yoga!

Wenn Dein Yogalehrer nächstes mal kein Yoga mitmacht, weißt Du warum… Und wenn er Dir vorher oder nachher eine nachdenkliche Geschichte oder Fabel vorliest, weißt Du es auch… Das ist dieses Weltverbesserer-Gen, das manchmal auch nervig sein kann. Ich geb es zu. Aber so ist es nunmal. Und eine Sache, die ich auch wieder an meinem Ausbildungs-Wochenende gelernt habe:

„In Liebe ziehen lassen.“

 

Also nicht nur die Winde, die einem in Apanasana entfleuchen können, sondern auch die Schüler, die mit Deinem Stil, Deinem Dialekt oder Deiner (belehrenden) Art nicht zurecht kommen. Steh zu Dir und sei authentisch! Und, diejenigen, die Dich ändern wollen kannst Du „in Liebe ziehen lassen“.

Yogalehrer-kein-Yoga-Mundart
Es gibt doch nichts über Mundart! Ein Yogalehrer der Dialekt spricht, ist für mich mehr als authentisch.

(Hier habe ich übrigens schon mal über die Lehrer-Thematik geschrieben.)

Viel Spaß bei Deiner Yoga-Praxis

Diesmal ein par nachdenkliche Worte… Aber nächste Woche wird’s wieder kulinarisch! Das verspreche ich!

Sende Dir liebe Grüße und ein entspanntes Namasté in die Vor-Adventszeit,

Deine Lotte

 

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  1. Liebe Lotte!
    Sehr schön formulierte Worte über das Yoga! Das allerbeste ist jedoch der Spruch über die Sanskrit-Sprache!! 😉
    Ich musste sehr schmunzeln…..freue mich schon auf unser nächstes Zusammentreffen!

    1. Danke, liebe Margit! Es soll halt auch immer etwas zum Lachen dabei sein… und mit Dialekt lockert man ja Vieles auf 🙂
      Alles Liebe und weiterhin viel Freude bei Deiner „Yoga-Praxis“,
      Deine Lotte

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